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Gedichte von Wolfgang Appell
 

 
 
Dies ist die Adaption/Nachdichtung eines romatischen englischen Gedichts
aus dem 19. Jahrhundert von George Eliot.
 
Zwei Liebende
 
Zwei Liebende am moosbewachsnen Quell:
Sie neigten sanft einander ihre Wangen,
das dunkle Haar im sonnigen verfangen.
Der Drossel Werben war so hell.
O frühes Blühen!
O junger Liebe Glühen!
 
Zwei vermählt aus dem Portale traten:
Die Glocken sangen Jubellieder.
Ein Hauch von Engelsschwingen trug sie hernieder,
und weiße Blüten auf dem Weg um Segen baten.
O treuer Blick!
O zartes Glück!
 
Zwei Gesichter, über ein Bettchen gebeugt:
Zwei Hände, über dem Köpfchen gereicht,
hielten sich fest und wiegten es leicht.
Sie schauten ein Leben aus Liebe gezeugt.
O festliche Stunde!
O machtvolle Kunde!
 
Zwei Eltern am abendlichen Herd:
Auf ihre Knie' fiel roter Feuerschein,
und auf Gesichter, gezeichnet von der Kälte Pein,
zahlreich wie Knospen in einem Lilienschwert.
O stetes Leben!
O mühsam Streben!
 
Die Zwei dort immer noch am Herd,
auf ihren Knien flackernd der Feuerschein,
doch all die Häupter, gerötet von des Winters Pein,
sind längst gegangen. Einsam das Paar und ausgezehrt.
O rasend die Zeit!
O versunkene Vergangenheit!
 
Der Feuerschein am Boden war jetzt fahl,
der Raum geweitet durch die Schatten matter Flammen.
So rückten sie die Stühle eng zusammen,
und sagten Wange an Wange: "Noch einmal!"
O Erinnerung bebt!
O Vergangenes lebt!
 
 
 
 

 
   
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