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Gedichte von Wolfgang Appell
 

 
 
Die Spatzen des Stoiberius
(eine etwas schillernde Glosse)
 
Zum Kampf um Stimmen und Mandate,
der von den Alpen bis zum Watte
die schwarzen Scharen froh vereint,
zog Angelas geliebter Feind.
Ihm schenkt der freien Rede Gabe,
der Sätze süßen Mund Apoll.
So wandert er mit seinem Stabe
aus München her, so füllhornvoll.
 
Und munter fördert er die Schritte,
und sieht sich in des Studios Mitte,
da sperren, mit gedrangem Klang
zwei mörderische Ähs den Redeschwang.
Umsonst war’s Schleifen, Vorbereiten,
dem Stab ermattet sinkt die Hand,
der Arbeitslosen-Leier zarte Saiten
sind so mit Ähtsche Bätsch gebannt.
 
Der Kanzler geht nach alter Sitte
jetzt eben durch der Deutschen Mitte
besinnungsraubend, herzbetörend,
lochbeschweigend, hartzbeschwörend.
Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
selig nach Macht der Kandidat.
Ein Faltlhauser schweigt und webet
Lochgespinste zum Verrat.
 
Am Abend dann, der Stimmabgabe,
ein kleiner Schranz aus seinem Stabe
windet aus Lorbeer ihm den Kranz
zum großen Kanzler-Siegestanz.
Wer zählt die Sender, nennt die Namen,
die schwatzten trunken ihn zur Nacht,
und als dann letzte Zahlen kamen:
Wer hat da zuletzt gelacht?
 
Und schauerlich verdreht, im Kreise
beginnen sie des Hymnus Weise,
der durch das Herz zerreißend dringt.
Die Bande jetzt den Sieger schlingt.
“Uns Angela hat er betrogen
und unsern Kandidaten auch!“
Dumpfbrausend wie des Meereswogen
schwappt hier Theater aus dem Bauch.
 
 

 
   
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